Geschichte

110 Jahre Obst- und Gartenbauverein Bergen-Enkheim 1899 e.V.

Der OGV Bergen-Enkheim wurde im Jahre 1899 in Enkheim gegründet. Die Zielsetzungen und Aufgaben haben sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder gewandelt.

In den ersten zehn Jahren der Vereinstätigkeit spielte der Weinbau noch eine gewisse Rolle. Dafür finden sich bis 1908 in den Vorstandsprotokollen noch entsprechende Hinweise.

Um 1910 war es dann mit dem Weinbau am Berger Hang endgültig zu Ende. Die Wingerte wurden nach und nach in Streuobstwiesen umgewandelt. Die Ursachen für diese Entwicklung waren bedingt durch das Einschleppen von Schädlingen, die große Teile des Rebenbestandes vernichteten.

In der Folgezeit trat der Obstbau in den Vordergrund. Das Obst wurde zum einen Teil von den Grundstückseigentümern für die Selbstversorgung verwendet. Der Überschuss wurde mit Hilfe des OGV vermarktet. Ende der zwanziger Jahre entstand ein gut funktionierendes Vermarktungssystem mit Obstsammelstellen und einem eigenen Verkaufsstand in der Großmarkthalle.

Von 1949-1969 wurde der Obstabsatz in veränderter Form weiter betrieben. Das bei den Obstsammelstellen abgelieferte Obst und Gemüse wurde von den Großhändlern aufgekauft und weiter vermarktet. Die Erzeugerpreise gingen immer weiter zurück, so dass sich der Aufwand für die Ernte und den Transport nicht mehr lohnte.

Anfang der siebziger Jahre gelang dem damaligen Vorsitzenden des OGV, Oskar Schubert, einen öffentlichen – von der Stadt Bergen-Enkheim geförderten – Kirschenmarkt ins Leben zu rufen. Das Interesse von beiden Marktteilnehmern ließ dann jedoch nach, so dass die Aktivitäten des OGV auf diesem Gebiet 1978 eingestellt wurden.

Die Obstbaumspritzung, insbesondere die Bekämpfung der Kirschenfruchtfliege, war in der Vergangenheit ein wichtiges Anliegen des Vereins. Die Spritzaktion mit chemischen Mitteln wurden in den 80er Jahren zunehmend in Frage gestellt. Mögliche biologische Methoden der Schädlingsbekämpfung hatten allerdings nicht die erhoffte Wirkung. Danach hat der OGV die Tätigkeit in diesem Bereich nicht mehr fortgeführt.

Die praktische Belehrung durch Schnittkurse wurde mit der Einrichtung eines Lehrgartens 1974 zum 75-jährigen Jubiläum auf eine neue Grundlage gestellt. Diese Aktivität ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Tätigkeitsbereiche des Vereins geworden.

Rund drei Jahrzehnte von 1924 bis Anfang der fünfziger Jahre unterhielt der Verein eine fahrbare Mosterei, mit deren Hilfe viele Vereinsmitglieder ihren Apfelwein kelterten.

Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld ist bis zum heutigen Tag der Sammelbezug von jungen Obstbäumen; hierzu gibt der Ortsbeirat einen Zuschuss und es ist erfreulich zu beobachten, dass viele Bürger von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Das ehemalige Lagerhaus – von den Enkheimern von Anbeginn liebevoll ‘s Häusi genannt – wurde im 100. Jubiläumsjahr umgebaut zum Vereinshaus, das jetzt „Äppelhäusi“ heisst. Hier finden monatlich an jedem 3. Freitag die inzwischen allseits beliebten Stammtische statt.

Zu erwähnen sind schließlich noch die Bemühungen des OGV zur Erhaltung der Streuobstwiesen, wobei hier durch Fördergelder großflächig länger andauernde Pflegemaßnahmen in Gang gesetzt werden konnten.

Neben dem alljährlich stattfindenden Kelterfest gibt es einen weiteren Höhepunkt im Vereinsleben, der inzwischen schon Tradition hat: Anfang August lockt die „Lesung unter Bäumen“ eine große Besucherzahl in den Lehrgarten an der Bischofsheimer Straße, wo bei Musik und „Gebabbel“ das Publikum unterhalten wird.